Eingabe an den Rat der Landeshauptstadt Hannover: Umbenennung der Podbielskistraße zwischen Lister Platz und Rühmkorffstraße nach einer bei dem Unternehmen Bahlsen beschäftigten Zwangsarbeiterin

Verwaltungsgebäude des Unternehmens Bahlsen in der Hannöver'schen Podbielskistraße (Foto: Axel Hindemith, Januar 2006, gemeinfrei).

Ich habe heute folgende Eingabe an den Rat der Landeshauptstadt Hannover gerichtet.

Wenn Du Dich dieser Eingabe anschließen möchtest, kannst Du einfach einen entsprechenden Dreizeiler per Post oder Telefax an den Rat der Landeshauptstadt Hannover senden. Die Eingabe datiert vom 13. Mai 2019.

  • Anschrift: Rat der Landeshauptstadt Hannover, Trammplatz 2, 30159 Hannover
  • Telefax: 05 11 / 168 – 45 096

Die politischen Gremien der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover haben sich in jüngster Zeit dankenswerter Weise intensiv mit der historisch-wissenschaftlichen Durchsicht von Straßennamen, Schulnamen u.ä. befasst. Hierzu liegt auch der Abschlussbericht eines wissenschaftlichen Beirates aus dem Jahr 2018 vor. Die Podbielskistraße wurde jedoch bisher nicht zur Umbenennung (z.Bsp. wegen kolonialer Verstrickung und einer Bestechungsaffäre) empfohlen.

Eingabe

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Unterzeichner regt mit vorliegender Eingabe höflich an,

der Rat der Landeshauptstadt Hannover als zuständige Stelle nach dem allgemeinen Petitionsrecht wolle beschließen:

Die Podbielskistraße in 30163 Hannover wird zwischen Lister Platz und Rühmkorffstraße* umbenannt. Sie erhält in ehrender Erinnerung den Namen einer bei dem Unternehmen Bahlsen in der Zeit des deutschen Faschismus beschäftigten Zwangsarbeiterin.

*) [Anmerkung: Link führt zur Straßenkarte auf OpenStreetMap.org]

Begründung

Die Podbielskistraße ist gegenwärtig nach Victor von Podbielski benannt, der von seinem Amt als preußischer Landwirtschaftsminister wegen seiner Verstrickung in eine Bestechungsaffäre im Zusammenhang mit der Ausstattung des Kolonialmilitärs des Deutschen Reichs zurücktreten musste.

Freilich ist Kolonialismus eine derart unappetitliche Sache, dass er ausreichen würde, der gesamten Podbielskistraße einen anderen und nach heutigen Maßstäben erträglichen Namen zu geben. Darum soll es jedoch vorliegend nicht gehen.

Am Abschnitt der Podbielskistraße zwischen Lister Platz und Rühmkorffstraße hat jedenfalls auch das Unternehmen Bahlsen seinen Sitz.

Dessen Erbin Verena Bahlsen ist in den jüngsten Tagen in der Öffentlichkeit durch wenig einsichtige Äußerungen über die historische Tatsache der Beschäftigung von Zwangsarbeiter:innen bei ihrem Unternehmen aufgefallen.

Der Vorgang zeigt, dass in diesem Zusammenhang keine angemessene und sachgerechte Erinnerungs­kultur wirksam ist.

Die Umbenennung der Podbielskistraße im genannten Abschnitt nach einer bei dem Unternehmen Bahlsen beschäftigten Zwangsarbeiterin soll dieser Erinnerungskultur öffentlich sichtbar aufhelfen.

Die Hausnummern können sowohl im neu benannten Bereich als auch im nicht neu benannten Bereich beibehalten werden.

Die vorliegende Anregung folgt dem Vorbild der Benennung der Edith-Kiss-Straße im Bezirk Fried­richshain-Kreuzberg von Berlin.

Die Benennung dieser Straße war im Jahr 2014 nach einer beim Unternehmen Mercedes-Benz be­schäftigten Zwangsarbeiterin erfolgt, nach dem dieses Unternehmen, dessen Vetriebszentrale ihren Haupteingang in der Edith-Kiss-Straße hat, ursprünglich die Benennung der Straße nach Bertha Benz oder Mercédès Jellinek (Namenspatronin der betreffenden Automobilmarke) angeregt hatte.

Die Benennung der Edith-Kiss-Straße wurde von allen damaligen Fraktionen der Bezirks­verordneten­ver­sammlung Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin mit Ausnahme der Fraktion der CDU beschlossen.

So viel politisches Rückgrat dürfte ohne weiteres auch im Rat der Landeshauptstadt Hannover zu finden sein.

Siehe auch

2 Gedanken zu „Eingabe an den Rat der Landeshauptstadt Hannover: Umbenennung der Podbielskistraße zwischen Lister Platz und Rühmkorffstraße nach einer bei dem Unternehmen Bahlsen beschäftigten Zwangsarbeiterin

  1. Eine tolle Anregung, die unbedingt umgesetzt werden sollte. Vielleicht könnte man sogar mehrere Abschnitte der Podbielskistraße in dieser Absicht umbenennen.

    Viel Erfolg!

    1. Danke! 🙂

      Straßenumbenennungen sind immer ein heikles Thema, weil sie aus praktischen Gründen meist auf wenig Gegenliebe stoßen.

      Die Beschränkung auf den Abschnitt der Podbielskistraße zwischen Lister Platz und Rühmkorffstraße (einige wenige hundert Meter) hat den Vorteil, dass es dort überwiegend Gewerbe- und Verwaltungsbauten und wenig Wohnungen gibt – das verbessert die Chancen auf die Umbenennung.

      Es ist allerdings ein wenig erstaunlich, dass sich nicht bereits der wissenschaftliche Beirat im Jahr 2018 für die Umbenennung der gesamten Podbielskistraße ausgesprochen hat. (Sein Abschlussbericht ist oben verlinkt.)

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