Spots für die Kampagne »Wollt Ihr Wissen« zum Berliner Wasservolksentscheid im Jahr 2011

Die folgenden 14 Spots entstanden im Winter 2011 für die Kampagne »Wollt ihr wissen« zum Berliner Wasservolksentscheid am 13. Februar 2011.

An den Spots beteiligten sich unter anderem: Jens Best (irgendwas mit Bits), David Hachfeld (Oxfam, Referent Wirtschaft und Globalisierung), Stephanie Handtmann (Attac Deutschland, Geschäftsführerin), Markus Henn (WEED, Referent für Finanzmärkte), Anton Hofreiter (MdB, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen), Heidi Kosche (MdA, Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen), Sabine Leidig (MdB, Linksfraktion), Dr. Motte (DJ und Musiker), Erasmus Müller (Tierrechts-Netzwerk Nandu; im Jahr 2013 einer der verdeckten Rechercheure zu Bedingungen der Massentierhaltung in Sachsen-Anhalt), Gerlinde Schermer (MdA, SPD), Jan Villwock (Diplom-Psychologe und Unternehmensberater) und Peter Wahl (WEED, Mitglied des Vorstandes).

Die Kampagne »Wollt ihr wissen« wurde entwickelt von der Gruppe Gemeingut in BürgerInnenhand, die aus einem Arbeitskreis des Netzwerks Attac hervorgegangen war. Sie warb für Ja-Stimmen beim Volksentscheid über die Re-Kommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe und verstand sich als Unterstützung der Bemühungen, die der damalige Berliner Wassertisch als Träger des Volksentscheides für einen erfolgreichen Ausgang des Volksentscheides unternahm. Die Planung und Herstellung der Kampagne »Wollt ihr wissen« war jedoch im wesentlichen vom Berliner Wassertisch unabhängig, worauf von beiden Seiten großer Wert gelegt wurde. —

Gerlinde Schermer gehörte mit dem späteren Regierenden Bürgermeister Michael Müller zu den wenigen SPD-Abgeordneten, die 1999 gegen die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe stimmten. Klaus Wowereit war zu dieser Zeit noch nicht Regierender Bürgermeister, sondern haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus und als solcher wesentlich für die Disziplinierung der SPD-Abgeordneten für die namentliche Abstimmung des Abgeordnetenhauses über die Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe verantwortlich.

Während der Kampagne im Jahr 2011 – inzwischen war Wowereit in das Amt des Regierenden Bürgermeisters gewählt – schickte Wowereit jedoch vor allem seinen Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) vor, um gegen den Volksentscheid zu agitieren. —

Die Berliner Wasserbetriebe selbst hatten sich jahrelang aus der politischen Debatte um ihre Teilprivatisierung und Re-Kommunalisierung herausgehalten. Die Kampagne »Wollt ihr wissen« erreichte unter anderem, dass sich die Berliner Wasserbetriebe erstmals selbst in die Debatte einschalteten. Dazu griffen die Wasserbetriebe am 21. Januar 2011 zu Typosquatting und veröffentlichten ihre Sicht der Dinge unter elf Domainnamen, die dem Domainnamen der »Wollt ihr wissen«-Kampagne ähnlich waren. —

Letztlich wurde der Berliner Wasservolksentscheid am 13. Februar 2011 bei knapper Erreichung des nötigen Quorums zum ersten erfolgreichen Volksentscheid im Land Berlin und zu einer empfindlichen politischen Niederlage des rot-roten Senates Wowereit III.

Bei der Wahl im Herbst des selben Jahres zog in Berlin die erste Piratenfraktion in ein Landesparlament ein – ein Erfolg, der ohne die Vorgeschichte unter anderem auch des Berliner Wasservolksentscheides schlecht denkbar gewesen wäre. Der Berliner Wassertisch unterlag in der Zeit nach dem erfolgreichen Wasservolksentscheid vielen Wandlungen und Teilungen. Piratenfraktion und Wassertisch stritten sich am Ende vor Gericht mit grotesken Argumenten um obskure rechtliche Aspekte ihrer zeitweiligen Zusammenarbeit. Aus der Gruppe Gemeingut in BürgerInnenhand wurde ein exklusiver Verein, dessen Satzung die Anzahl der Mitglieder auf sieben begrenzt. —

Die Spots für die Kampagne wurden in den Büroräumen von Gemeingut in BürgerInnenhand aufgezeichnet. Dafür stand ein mikroskopisches Budget zur Verfügung. Die Büroräume lagen im Parterre in der Nähe sehr stark befahrener Straßen in Berlin, sodass die Akustik kaum in den Griff zu bekommen war. Außer den Spots habe ich Portraitfotos in Farbe und Schwarzweiß auf Mittelformat-Film aufgenommen, die für eine Online-Anzeigenkampagne auf Facebook verwendet wurden. Alle Filme wurden von mir entwickelt. Das Grooming besorgte Marc Freitag. Für die Post-Produktion der Spots wurde ausschließlich Open-Source-Software auf Linux verwendet.


Artikel veröffentlicht am 12. August 2018.

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